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Stand: 11.06.2020

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Wirtschaft

10.06.2020  
Boulevard, Wasserfall, Rutschungen und weitere Wunder im Wert von 113 Mio. Lewa in Varna

Die Arbeiten an der grundlegenden Sanierung des Varnaer Vasil Levski-Boulevards, dessen Trasse mit einer Länge von rund 3 km über 113 Mio. Lewa verschlang, entwickelten sich zu einer tragikomischen Aneinanderreihung von Fehltritten im Jahr 2019

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Redaktionell

Im April d. J. sackte das Varnaer Vasil-Levski-Boulevard erneut ab. Von dem Vorfall berichtete die Facebook-Gruppe „Rette Varna“. Die Geschichte der Renovierungsarbeiten, die das Varnaer Vasil-Levski-Boulevard in eine knapp drei Kilometer lange Stadtautobahn verwanden sollten, ist ein gutes Beispiel auch dafür, wie die Steuerzahlergelder ohne jegliche Kontrolle ausgegeben werden, da nach groben Schätzungen ein Kilometer hiervon mit über 38 Mio. Lewa zu Buche schlug.
Die Behebung der Havarie werde auf Kosten des Auftragnehmers erfolgen – der Gesellschaft Hidrostroy, da die Abnahme der Bauleistungen für dieses Boulevardsegment vor etwa einem Jahr stattgefunden habe und die Garantiezeit noch nicht abgelaufen sei. Kraft einer Rahmenvereinbarung mit der Gemeinde Varna wurde Hidrostroy als Auftragnehmer für den Bau und Sanierung der Infrastruktur in der Stadt auserkoren. Während der zweiten und dritten Amtszeit des Kabinetts von Borisov entwickelte sich die Gesellschaft schnell weiter und zog landesweit immer mehr Aufträge ans Land nicht nur im Verkehrssektor, sondern auch für zahlreiche weitere Infrastrukturprojekte, sowie im Rahmen des Sanierungsprogramms für ganz Bulgarien. Sie beteiligt sich ferner an dem Aufbau von Kläranlagen, die über das EU-Förderprogramm Umwelt finanziert werden. Offiziell befindet sie sich im Besitz des einstigen Chefs der Verkehrsbehörde Veliko Zhelev während der Regierungszeit von NDSV und DPS. Ihr Geschäftsführer ist Nikolay Pashov, der ehemalige Gemeinderat von GERB in Varna. Vor drei Jahren übernahm Hidrostroy die mit dem DPS-Abgeordneten verbundene Vodostroy 98. Laut Vertretern der Baubranche, die von mediapool.bg zitiert wurden, war der Deal fiktiv und Peevski behielt Anteile daran. Es ist nicht klar, welche Anteile und in welcher Form er behielt.

Spas Spasov*

Ende April 2019 befahl Regierungschef Boyko Borisov bei einem seiner plötzlichen Besuche in Varna dem Bürgermeister Ivan Portnih: „Sage denen, sie sollen schon die Straße für den Verkehr freigeben!“. Trotz laufender Abschlussarbeiten wurden nach diesem Ultimatum die Absperrungen auf dem Vasil Levski-Boulevard entfernt. Die Strecke wurde für den Verkehr freigegeben und die sozialen Netzwerke wurden von Fotos und Videos mit ungesicherten Fußgängerzonen in 10 Meter Höhe über den Fahrbahnen, von nicht fertiggestellten und nicht nutzbaren Fußgängerüberführungen, von Treppen ohne Sicherheitsgeländer und ohne Fahrstühle für Menschen mit Mobilitätsproblemen überflutet.
Am 22. Mai 2019 kam Borisov erneut in Varna binnen eines Monats an, wieder so überraschend, wie beim ersten Mal. Seine Fahrt durch die Stadt wurde traditionsgemäß live in seinem Facebook-Profil übertragen. So konnten die virtuellen Freunde des Ministerpräsidenten sehen, wie auf dem Rücksitz des von ihm höchstpersönlich gelenkten Jeeps, kein geringerer als der Bürgermeister von Varna in der Rolle eines Reiseleiters saß. Hinter dem Rücken des Regierungschefs berichtete er flink von der Nutzung der 113 Mio. Lewa, was der offiziell angekündigte Preis für die Sanierung des Vasil Levski-Boulevards war. Borisov lobte ihn.

Doch gleich am selben regnete es

iesmal bestand der Strom nicht aus Bildern. Durch den Frühlingsregen über Varna wurden Konstruktionsteile von einem der drei zweistöckigen Kreisverkehre des Boulevards heruntergeschwemmt. Ein Beleuchtungsmast stürzte um und auf die erste Fahrbahnebene wurden Steine und Baumaterialien heruntergespült. Das Pressezentrum von Ivan Portnih gab jedoch bekannt, dass es „auf der Strecke selbst keine Probleme“ gebe. Als ob die Natur beweisen wollte, dass sie auf jede Herausforderung der Varnaer Verwaltung reagieren könnte, ließ sie nur zwei Tage später tonnenweise Erdmasse bis auf eine der Fahrbahnen des neuen Boulevards hinunterrollen.

Die Rutschung forderte erstaunlicherweise keine Opfer

Aber selbst dann war Portnih nicht geneigt nachzugeben. In Windeseile ließ er das Vorkommnis mit einem Leck an einer illegalen Wasserleitung erklären, schob die Schuld dafür in die Schuhe der Bewohner des Zigeuner-Ghettos „Maskuda“ und drohte: „Wir gehen rein und reißen ab!“. Als Bestätigung des traurigen Sprichworts, dass „das Böse nie alleine kommt“, wurde die Geschichte mit den Defekten auf dem neuen Varnaer Boulevard um einen weiteren ergänzt, und zwar ziemlich bald nach den ersten beiden.
Wieder einmal bei einem heftigen Regen zeigte ein Video, betitelt „Der Varnaer Wasserfall“ einen anderen zweistöckigen Kreisverkehr des Boulevards, von wo aus eine dichte Wassermasse tonnenweise auf seine erste Ebene herabprasselte.
Im Video war zu sehen, wie die Fahrzeuge, die auf der Fahrspur fuhren, keine andere Ausweichmöglichkeit hatten, außer dadurch zu fahren und das Risiko eingehen mussten, von Bruchstücken aus der Vorrichtung erwischt zu werden, die zusammen mit dem Wasser hinunterfielen.
„Es hört nicht auf mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt Varna!“ hieß der Post mit dem Video auf der Facebook-Seite „Rette Varna“. „ Der Wasserfall „Vasil Levski“! Er ist eine Attraktion und fungiert zugleich als eine Waschanlage.“
Jenseits des Komischen kommt aber auch das Tragische. Das ist nur das Ende einer langen Reihe von Gesetzesverstößen und Unüberlegtheiten, die mit der Sanierung dieses unheimlich teuren Boulevards einhergingen. Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie die Steuerzahlergelder, die unkontrolliert und einzig mit einem Beschluss des Ministerpräsidenten verteilt werden, ausgegeben werden. Er übernimmt auch die Inspektion.

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